Was ist intelligente Dokumentenverarbeitung?
IDP erkennt den Typ eines eingehenden Geschäftsdokuments, liest die benötigten Felder und prüft sie gegen Bestellung und Stammdaten, bevor etwas ins ERP gelangt.
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Intelligente Dokumentenverarbeitung – international Intelligent Document Processing, kurz IDP – bezeichnet Verfahren, die eingehende Geschäftsdokumente nicht nur lesen, sondern inhaltlich zuordnen: Sie erkennen den Dokumenttyp, ziehen die benötigten Angaben heraus, prüfen sie gegen vorhandene Daten und übergeben das Ergebnis an ERP oder Warenwirtschaft. Besteht ein Wert die Prüfung nicht, legt das System ihn mit Begründung einem Menschen vor.
Intelligente Dokumentenverarbeitung: Begriff und Abgrenzung
Der Zusatz „intelligent“ grenzt das Verfahren von drei älteren Werkzeugen ab, mit denen es leicht verwechselt wird. Die reine Texterkennung macht aus einem Bild Zeichen, weiß aber nicht, welche Zeichenfolge eine Bestellnummer ist. Ein Dokumentenmanagementsystem legt Dateien ab und macht sie auffindbar, schreibt aber keine Werte in ein Folgesystem. Und eine Vorlagenlösung kennt für jeden Absender die Position jedes Feldes – bis der Absender sein Formular ändert.
Heutige Systeme verbinden mehrere Bausteine: Texterkennung für Scans, einen Klassifikator für den Typ, Sprachmodelle für das Auslesen auch unbekannter Layouts und feste Regeln für die Prüfung. Ausschlaggebend ist dabei kein einzelner Baustein. Wichtig ist, dass jedes Ergebnis eine Fundstelle im Dokument und eine Einschätzung seiner Verlässlichkeit mitbringt. Fehlt beides, lässt sich eine automatische Übergabe an das ERP nicht verantworten, weil niemand nachvollziehen kann, woher ein Wert stammt.
Fünf Schritte vom Posteingang bis zum Datensatz
- Eingang bündeln. Sammelpostfach, Scanner und Dateiablagen münden in eine gemeinsame Warteschlange. Jede Datei erhält einen Zeitstempel und bleibt als unverändertes Original erhalten.
- Typ erkennen. Auftragsbestätigung, Lieferschein, Frachtbrief oder Prüfzeugnis: Der Typ entscheidet, welche Felder gesucht und welche Regeln angewandt werden. Wie die Zuordnung funktioniert, beschreibt der Artikel Dokumentenklassifizierung.
- Felder auslesen. Kopfdaten wie Absender, Belegnummer und Bestellbezug, dazu Positionen mit Artikel, Menge, Einheit, Preis und Termin. Gespeichert wird jedes Feld mit Wert, Fundstelle und Konfidenzwert.
- Prüfen und abgleichen. Formale Regeln fragen, ob ein Datum plausibel ist und die Positionen aufgehen. Fachliche Regeln fragen, ob die Bestellung existiert, ob Menge und Preis zur eigenen Bestellung passen und ob der Absender in den Stammdaten angelegt ist.
- Übergeben oder vorlegen. Was alle Prüfungen besteht, geht als Datensatz ins führende System. Alles andere erscheint bei der zuständigen Person, mit markierter Stelle im Dokument und dem Grund, warum es angehalten wurde.
Der vierte Schritt trägt den eigentlichen Nutzen. Ein fehlerfrei gelesenes Dokument, das niemand mit der Bestellung vergleicht, spart Tipparbeit, lässt aber die teure Abweichung durch: den bestätigten Preis über dem bestellten oder den Liefertermin, der sich stillschweigend verschoben hat und erst an der Rampe auffällt.
Welche Dokumente von Geschäftspartnern sich eignen
Geeignet sind vor allem Unterlagen, die von außen kommen und in einen bestehenden Vorgang gehören. Im Einkauf, in der Logistik und in der Auftragsabwicklung sind das vor allem:
- Auftragsbestätigungen von Lieferanten – sie werden gegen die eigene Bestellung gelesen, siehe Auftragsbestätigung abgleichen.
- Lieferscheine und Lieferavise – Mengen und Chargen sind bekannt, bevor die Ware ausgepackt wird.
- Frachtpapiere – Packstücke, Gewichte und Sendungsnummern für die Verfolgung eines Transports.
- Prüfzeugnisse und Datenblätter – Nachweise, die einer Charge oder einem Artikel zugeordnet werden müssen.
- Kundenbestellungen als Datei – überall dort, wo Kunden nicht über eine elektronische Schnittstelle bestellen.
Weniger geeignet sind Unterlagen ohne festen Platz im Ablauf, etwa allgemeiner Schriftverkehr, oder Verträge, bei denen es auf die Auslegung einzelner Klauseln ankommt. Eingangsrechnungen bilden ein eigenes Feld mit steuerlichen Anforderungen und gehören in einen eigenen Prozess, auch wenn sie im selben Postfach eintreffen wie die übrigen Papiere.
Wann sich intelligente Dokumentenverarbeitung lohnt
Drei Fragen helfen bei der Einschätzung, noch bevor über Werkzeuge gesprochen wird:
- Wie viele Absender und Layouts gibt es? Bei einer Handvoll Lieferanten mit stabilen Formularen können Vorlagen oder ein elektronischer Datenaustausch genügen. Der Vorteil lernfähiger Verfahren zeigt sich bei vielen Absendern und wechselnden Formaten.
- Was geschieht heute nach dem Lesen? Wird ein Papier nur abgelegt, ist der Gewinn klein. Wird es abgetippt, verglichen und telefonisch nachgefragt, liegen genau dort die Arbeit und das Risiko.
- Gibt es eine Vergleichsbasis? Offene Bestellungen, Artikelstamm, Lieferantenstamm. Ohne sie kann ein System Werte lesen, aber nicht beurteilen, ob sie stimmen.
Hinzu kommt die Frage nach der Vertraulichkeit. Geschäftsdokumente enthalten Preise, Konditionen und Namen von Ansprechpartnern. Welche dieser Angaben ein externes Sprachmodell zu sehen bekommt und wo es betrieben wird, muss vor dem Start entschieden und schriftlich festgehalten werden, nicht erst nachträglich.
Typische Fehler bei der Einführung
- Nur das Auslesen bauen. Der Abgleich mit Bestellung und Stammdaten wird auf eine spätere Ausbaustufe verschoben – und mit ihm der Teil, der Fehler tatsächlich abfängt.
- Keine Restklasse. Unterlagen, die in kein Schema passen, werden dem ähnlichsten Typ zugeschlagen, statt als unbekannt aufzufallen.
- Kein Prüfsatz. Ohne eine Sammlung echter Dokumente mit bekannten richtigen Werten lässt sich weder die Qualität belegen noch nach einem Modellwechsel prüfen, ob sie gehalten hat.
- Vorlage ohne Kontext. Wer ein angehaltenes Dokument klären soll, braucht das Original, die markierte Stelle und die Bestellung daneben, nicht bloß eine Fehlermeldung.
- Alle Typen auf einmal. Werden sämtliche Dokumentarten gleichzeitig eingeführt, bleibt keine Gelegenheit, aus dem ersten Typ zu lernen.
Wie wir vorgehen
Mit welchem Dokumenttyp die Einführung beginnt, legen wir im Angebot fest; naheliegend ist der Typ, an dem im Betrieb heute die meiste Vergleichsarbeit hängt. Aus echten Unterlagen der vergangenen Monate entsteht der Prüfsatz. An ihm werden Felder, Prüfregeln und Schwellen bestimmt, und genau diese Werte gelten als Abnahmekriterien. Ebenfalls im Angebot steht, wie lange das System neben der bisherigen Bearbeitung mitläuft und woran geprüft wird, ob beide Wege dieselben Ergebnisse liefern. Was zur Umsetzung gehört, beschreibt die Leistung KI-Dokumentenverarbeitung.
Dieser Beitrag ist eine allgemeine Information und keine Rechtsberatung.
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